Elia Gsell
ist Schweizer Meister im Speed-Puzzeln
Windkraft produziert besonders im Winter viel Strom.
Die Axpo plant in Rüthi und Sennwald den Bau von insgesamt sieben Windkraftanlagen. Dass solche Projekte oft auf Widerstand treffen, zeigte sich vergangenen Woche an einer Informationsveranstaltung.
Rüthi/Sennwald Windkraftanlagen leben vom Wind: Ohne ihn stehen die Rotoren still. Mit der richtigen Brise produzieren sie jedoch zuverlässig Strom. Doch wehe, der Wind frischt zu stark auf. Dann müssen die Anlagen aus Sicherheitsgründen abgeschaltet werden. Ein ähnliches Szenario bietet sich derzeit in Rüthi und Sennwald: Noch ist kein Sturm im Anmarsch, doch der Gegenwind gegen die geplanten Windräder ist bereits deutlich spürbar.
In der vergangenen Woche äusserten zahlreiche Anwohnerinnen und Anwohner ihre Bedenken an einer Informationsveranstaltung der Axpo. Diese bezogen sich auf Themen wie Umweltverträglichkeit, Landschaftsbild, Lärm und dem Abstand der Anlagen zu den Häusern. Die Axpo, die das Projekt gemeinsam mit den Ortsgemeinden Sennwald und Rüthi, die das Land zur Verfügung stellen würden, umsetzen möchte, weiss um die Brisanz der Thematik. Und das nicht erst seit ein vergleichbares – wenn auch viel kleineres Vorhaben – der SFS in Heerbrugg im Februar von der dortigen Stimmbevölkerung gestoppt wurde.
Dass man nun in Rüthi und Sennwald die Bevölkerung möglichst frühzeitig informiert, gehört zur Strategie der Axpo. Das Vorhaben befindet sich zwar noch in der Phase eines Vorprojekts, trotzdem möchte das Unternehmen seine Pläne bereits jetzt vorstellen. So sollen wohl nicht zuletzt allfällige Einsprachen verhindert werden. Im Falle der Ortsbürgerigemeinde, auf deren Land das Projektgebiet liegt, geht es auch darum, eine Mehrheit zu finden, die sich für die Vergabe des Baurechts ausspricht.
Dafür rührten Vertreter der Axpo, kräftig die Werbetrommel. Und das Unternehmen kann dabei auf Unterstützung des Kantons, der Politischen Gemeinde und der Ortsgemeinde zählen. Gemeindepräsidentin Irene Schocher betonte dabei, dass es an diesem Abend nicht um ein Ja oder Nein zur Windkrafanlage gehe, sondern nur darum, überhaupt zu prüfen, ob der Standort geeignet sei. Das bekräftigte auch Ortsgemeindepräsident Bernhard Schneider, der sagte, dass der Ortsbürgerrat hinter dem Projekt stehe, aber ebenfalls hervorhob, wie wichtig es sei, vertiefte Abklärungen zu tätigen, um eine gute Entscheidungsgrundlage zu haben.
Der Kanton in der Person von Marcel Knöri, Stellvertretender Leiter Energie, sieht in Windkraftprojekten wie jenem in Rüthi und Sennwald die Erfüllung eines Volksauftrags. So habe das Schweizerische Stimmvolk 2023 Ja zum Klima- und Innovationsgesetz und 2024 Ja zum Bundesgesetz über eine sichere Stromversorgung gesagt. Vorlagen, die beide unter anderem die Abhängigkeit von importierter Energie senken und den Klimaschutz durch einen höheren Anteil erneuerbarer Energien fördern sollen.
Hier kommen Windraftanlagen ins Spiel, die zu beiden Zielen einen Beitrag leisten könnten. Denn Windenergie ist sowohl klimafreundlich, da sie keinen Brennstoff benötigt als auch eine gute Ergänzung zu Solarenergie und Wasserkraftwerken. Dies, weil Windkraftwerke besonders im Winter viel Strom produzieren, dann also, wenn Solar- und Wasserenergie üblicherweise weniger effizient sind.
Wären Windkraftanlagen weder sicht- noch hörbar, wäre dies das Ende der Geschichte. Die Ortsgemeinden würde sich über Einnahmen aus dem Baurechtsvertrag freuen, die Axpo über die Realisierung eines Projekts, das ihr dank Bundessubventionen nicht nur eine Rendite, sondern auch das Image eines Unternehmens, das sich für den Klimaschutz einsetzt, beschert. Und die Bürgerinnen und Bürger von Rüthi und Sennwald hätten keinen Grund, sich gegen den Windpark zu wehren und könnten sich als allfällige Teilhabende der Windpark Rüthi / Sennwald AG über Dividenden freuen.
Da Windkraftanlagen aber nun mal nicht unsichtbar und geräuschlos sind, präsentiert sich die Sachlage etwas anders. Verschiedene Fragen der anwesenden Bevölkerung am Informationsabend zeigten, dass die Vorbehalte gegenüber der geplanten Windkraftanlage gross sind. Cédric Aubert, Leiter Wind der Axpo, war bemüht, aufzuzeigen, dass die Axpo Bedenken ernst nimmt. Ausserdem machte er gemeinsam mit Antonia Graf, Leiterin Projektentwicklung Wind der Axpo, deutlich, dass vor einem allfälligen Bau einer Windkraftanlage diverse Prüfungen erfolgen, um zu garantieren, dass Natur- und Lärmschutzrichtwerte eingehalten werden. Ob dies die Bevölkerung in Rüthi und Sennwald zu beruhigen vermochte, wird sich zeigen müssen.
Als erstes wird im September oder Oktober ein 125 Meter hoher Messmast errichtet. Mit diesem sollen Daten zu Windstärke, Luftdruck und Fledermausaktivitäten erhoben werden. Danach folgt voraussichtlich eine Umweltverträglichkeitsprüfung, bei der diverse Parameter geprüft werden, die alle innerhalb gesetzlicher Limiten liegen müssen, darunter etwa Lärmwerte.
Verläuft alles nach Plan könnte der Bau 2029 starten. Die Anlage würde frühestens 2031 in Betrieb genommen werden. Dies aber nur, wenn Einsprachen den Bau nicht erheblich verzögern, was bei Windrädern immer ein realistisches Risiko ist. Ob und wann die Windräder tatsächlich gebaut werden, hängt nun von den weiteren Abklärungen und dem Verlauf allfälliger Einsprachen ab.
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