Elia Gsell
ist Schweizer Meister im Speed-Puzzeln
Aufgrund von Elterntaxis kommt es bei Schulhäusern immer wieder zu unübersichtlichen Situationen.
Mit dem Schulstart ist auch ein unerwünschtes Phänomen zurückgekehrt: Elterntaxis. Wenn Erziehungsberechtigte ihre Kleinen mit dem Auto zur Schule fahren, kommt es immer wieder zu gefährlichen Situationen. In Diepoldsau will man nun eine härtere Gangart fahren.
Region Für viele Kinder hat am Montag ein neuer Lebensabschnitt begonnen: der erste Tag im Kindergarten oder in der Schule. Stolz und aufgeregt machten sie sich auf den Weg, oft zum ersten Mal ganz allein. Doch nicht allen Eltern fällt es leicht, ihre Kinder loszulassen. Aus Sorge vor dem dichten Verkehr bringen viele sie mit dem Auto zur Schule. Was gut gemeint ist, sorgt jedoch immer wieder für gefährliche Situationen.
Elterntaxis sind nach wie vor ein Problem, wie eine Anfrage bei verschiedenen Schulen im Rheintal zeigt. Grössere Zwischenfälle habe es in jüngerer Zeit zwar keine gegeben, vereinzelt komme es aber zu Situationen, in denen Fahrzeuge in verbotenen Zonen halten oder riskante Wendemanöver durchführen, sagt Christian Stricker, Schulpräsident der Primarschule Au-Heerbrugg. Besonders rund um den Schuljahresbeginn oder bei schlechtem Wetter komme es punktuell zu angespannten Verkehrssituationen. Eine generelle Zunahme könne jüngst nicht festgestellt werden.
Auch in Diepoldsau sind Elterntaxis seit längerem ein Thema, wie von Schulratspräsident Patrick Spirig zu erfahren ist. Unlängst hat man deshalb auch eine Studie vom TCS zur Schulwegsicherheit in Auftrag gegeben. Diese habe deutlich gezeigt, dass das grösste Risiko für die Schülerinnen und Schüler von den Elterntaxis selbst – und nicht etwa vom regulären Strassenverkehr – ausgehe. Spirig nimmt kein Blatt vor den Mund und spricht von «unsäglichen Verkehrssituationen» und «teils haarsträubenden Manövern», die vor allem an Regentagen, wenn viele Eltern sich zum Chauffieren ihrer Kinder berufen fühlen, beobachtet werden könnten. Damit soll nun Schluss sein.
Die Schulen versuchen seit längerem gegenzusteuern. «Wir sensibilisieren die Eltern aktiv für dieses Thema – sei es in Elternbriefen oder gezielt an Elternabenden zu Beginn vom Schuljahr», sagt Christian Stricker. In Diepoldsau hat man auch lange auf Dialog gesetzt. Ohne Erfolg. Viele Eltern, die auf die Problematik hingewiesen wurden, hätten Anweisungen von Schulmitarbeitenden schlicht missachtet oder diese sogar angepöbelt, sagt der Diepoldsauer Schulratspräsident. Deshalb fährt man nun härtere Geschütze auf. Eine Projektgruppe, zusammengesetzt aus einem Verkehrsplaner, Lehrpersonen, dem Hauswart und dem Schulratspräsident, hat verschiedene Möglichkeiten ausgelotet. An der ersten Sitzung nach den Sommerferien sollen diese nun auch dem Gemeinderat vorgestellt werden. Spirig lässt durchblicken, dass man darauf hinarbeitet, bei der Schule Kirchenfeld, wo das Problem am eminentesten ist, ein Park- und Halteverbot zu erwirken. Dazu benötigt es eine Bewilligung der Polizei. Sollte diese nicht zustande kommen, steht auch die Option einer Barriere im Raum. Kein Wunschszenario, wie Spirig andeutet, «doch die bisherigen Appelle stossen an ihre Grenzen – jetzt braucht es klare Signale.»
Doch weshalb fahren immer mehr Eltern ihre Kinder zur Schule? Der Grund dürften Sicherheitsbedenken sein. Der Verkehr nimmt zu, was mehr Gefahrensituationen auf dem Schulweg bedeutet. Könnte man zumindest meinen. Wie die Beratungsstelle für Unfallverhütung schreibt, ereignen sich heute deutlich weniger schwere Verkehrsunfälle, bei denen Kinder zu Schaden kommen. 1980 waren es noch über 1700 Kinder pro Jahr, aktuell sind es nur noch rund 10 Prozent davon. Und: Nur ein Drittel der schweren Verkehrsunfälle von Kindern passiert auf dem Schulweg. Objektiv gesehen sind die Strassen für Kinder heute so sicher wie nie zuvor - und gerade Schulwege werden noch seltener zum Schauplatz eines Unfalls. Dass die Statistik besorgte Eltern nicht beruhigen kann, ist klar. Und so werden Elterntaxis - bis die Unfallzahlen noch weiter sinken oder Schulen effektive Massnahmen dagegen finden - wohl auch weiterhin zum Bild vor den Schulhäusern gehören.
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