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Selma Arnaut erhielt eine Auszeichnung für ihre Abschlussarbeit zum Thema «Chancengleichheit bei Kindern mit Migrationshintergrund im Unterricht fördern». z.V.g.
In ihrer Abschlussarbeit hat sich Selma Arnaut mit dem Thema Chancengleichheit bei Kindern mit Migrationshintergrund im Unterricht befasst. Denn in der Schweiz besteht zwar das Recht auf Bildung, im Schulalltag wird jedoch mit unterschiedlichen Ellen gemessen.
St.Margrethen In der Schweiz hat jede Person dieselben Chancen in Bezug auf die Bildung. Das würde man zumindest meinen. Schliesslich ist Chancengleichheit in der Bundesverfassung gesetzlich verankert. Die Realität zeigt aber: Chancengerechtigkeit bei der Bildung besteht nur in der Theorie.
Der Schweizerische Bildungsrat stellte in einem Bericht fest: «In der Schweiz lassen sich die Bildungswege und der Erwerb von Abschlüssen mit hoher Wahrscheinlichkeit anhand weniger Informationen über sozioökonomische Ressourcen und das Bildungsniveau des Elternhauses vorhersagen.» Will heissen: Bildung wird in der Schweiz vererbt. Besonders geringe Aufstiegschancen haben Kinder von sozial schwachen Familien und solche mit Migrationshintergrund.
Das hat Selma Arnaut veranlasst, sich im Rahmen ihrer Bachelorarbeit an der Pädagogischen Hochschule St.Gallen intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen. Auch persönliche Erfahrungen haben ihren Teil dazu beigetragen. Während ihrer Schulzeit – vor allem an der Kanti – stellte sie fest, dass sie als Person mit Migrationshintergrund von ihren Mitschülerinnen und -schülern anders behandelt wurde . Manchmal sei dies nicht einmal mit böser Absicht, sondern eher aus Ignoranz passiert, etwa, wenn sich Mitschülerinnen und -schüler erstaunt darüber gezeigt hätten, dass ihre aus Bosnien stammende Mutter Deutsch sprechen kann und Heilpädagogin ist. «Es existieren immer noch viele Vorurteile gegenüber Menschen mit Migrationshintergrund», sagt Arnaut, «sowohl bei Mitschülerinnen und -schülern als auch bei Lehrpersonen.»
Das zeigen auch Studien. Kinder aus weniger privilegierten Familien werden oft strenger bewertet als solche aus Akademikerhaushalten. Das liegt auch daran, dass Lehrpersonen bei diesen Kindern geringere Erwartungen haben und ihnen weniger zutrauen. Besonders bei der Entscheidung, welche weiterführende Schule sie nach der Primarschule besuchen dürfen, wird das sichtbar.
Um an diesem Zustand etwas zu ändern, seien die Lehrpersonen gefordert. Vieles beginne dabei im Kleinen: Konsequentes Unterrichten auf Hochdeutsch, besserer Einbezug der Kinder in die Unterrichtsgestaltung, ein grösseres Bewusstsein für die Thematik, keine Schubladisierung der Kinder aufgrund ihrer Herkunft, das vermehrte Einbinden der Eltern, beispielsweise mit Elterncafés, die einen niederschwelligen Austausch ermöglichen. Das alles sind mögliche Massnahmen, die laut Arnaut dabei helfen könnten, der Ungleichbehandlung von Schülerinnen und Schülern entgegenzuwirken. Generell wünscht sich Selma Arnaut in der Gesellschaft mehr Akzeptanz. «Menschen mit Migrationshintergrund gehören auch dazu.»
Für ihre Abschlussarbeit wurde Selma Arnaut kürzlich an der PHSG als eine von drei Studentinnen ausgezeichnet. «Das hat mich natürlich sehr gefreut», sagt sie. Auch von vilen Dozierenden habe sie Gratulationen erhalten. Mit der Auszeichnung gerechnet habe sie eigentlich nicht, da diese Ehre jeweils nur an einigen der Absolventinnen beziehungsweise Absolventen, die mit der Höchstnote abschlossen, verliehen werde.
Im neuen Schuljahr beginnt für die 23-Jährige eine neue Herausforderung. Sie tritt eine Stelle als Heilpädagogin an der Heilpädagogischen Schule Heerbrugg an. Dazu erwirbt sie berufsbegleitend einen Masterabschluss. An der Heilpädagogik spricht Selma Arnaut an, dass man aufgrund kleinerer Klassengrössen noch individueller auf die Bedürfnisse jedes Kindes eingehen kann. Etwas, das in Regelklassen aufgrund der Klassengrössen zwar schwieriger umzusetzen ist, jedoch gerade bezüglich Chancengleichheit ein wichtiger Schritt wäre.
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